Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Zum Einzelverkauf der Ausgabe als PDF
Mittwoch, 18. Oktober 2017

20°C

Dienstag, 09. August 2016 Drucken

Bad Dürkheim

Cousins über acht Ecken

und Johannes Steiniger. Ihre Ahnentafeln schneiden sich bei Philipp Friederich Fischer, geboren am 2. August 1707 in Dürkheim, hier auch gestorben am 11. Januar 1729. (Foto: frei)

Haben über acht Generationen hinweg einen gemeinsamen Vorfahren: Donald Trump ... (Foto: dpa)

Einfachste Ahnenlinie: Michael Wolf ist der Vater von Linus und Aurelius. (Foto: frei)

Momentaufnahme: Was hat der Dürkheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger mit US- Präsidentschaftskandidat Donald Trump gemeinsam? Weder Frisur noch Figur. Leider nicht die „Portokasse“. Und zum Glück nicht die Gesinnung. Aber gemeinsame Vorfahren! Michael Wolf hat’s herausgefunden.

Der Hobby-Familienforscher aus Bad Dürkheim, früher bei der Jungen Union aktiv und von 2004 bis 2009 CDU-Ratsmitglied, hat Trumps Stammbaum väterlicherseits nachgezeichnet. Um mal zu sehen, wo es außer in Kallstadt noch familiäre Wurzeln in unsere Region gibt. Und tatsächlich hat der 42-Jährige im Stammbaum des Milliardärs etliche weitere Familiennamen ausgegraben, die hierzulande geläufig sind.

Sechs Din-A4-Seiten ist der Stammbaum lang, den Wolf über die väterliche Ahnenlinie des republikanischen Kandidaten zusammengestellt hat. Fast 140 Namen finden sich darauf, bis ins 16. Jahrhundert geht die Spur zurück. „Es liegen mir zum Teil noch ältere Daten vor, die aber für unsere Region ohne Relevanz sind“, sagt Wolf.

Nach Bad Dürkheim erstrecken sich demnach die verwandtschaftlichen Beziehungen Trumps, nach Bobenheim und Weisenheim am Berg, nach Ungstein, Göllheim und Hardenburg. Vermutlich auch nach Freinsheim und Wachenheim, meint der Hobby-Ahnenforscher – das sei vielleicht einmal eine lohnende Aufgabe für dortige Heimathistoriker, meint er.

Drei Namen stechen laut Wolf aus der von ihm beleuchteten Ahnenlinie heraus. Das ist zum einen ein Urahn, Gallus Tuschelin, ein Rechtsgelehrter aus dem 17. Jahrhundert (Ahnenziffer/AZ 12404). Das genaue Geburtsjahr lässt sich nicht eindeutig klären: 1626 in Kirchheim/Teck oder 1631 in Nürtingen. Sicher ist aber: Tuschelin war Geheimer Rat und Vicekanzler des Herzogtums Zweibrücken. „Ein gutes Omen für die Präsidentschaftswahl?“, fragt Wolf augenzwinkernd. Die adligen Vorfahren von Tuschelins Ehefrau hat er gar bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen können.

Der zweite Name, der heraussticht, ist Johann Lorentz Heintz, geboren am 1. Mai 1674 in Kallstadt (AZ 326) – laut Wolf ist er ein gemeinsamer Vorfahr der Trumps und der Ketchup-Familie Heinz, die bekanntlich um 1840 ebenfalls aus Kallstadt nach Amerika ausgewandert ist. Und schließlich der Dritte, der Wolf ins Auge sprang: Philipp Friederich Fischer, geboren am 2. August 1707 in Dürkheim (AZ 372) – er ist der gemeinsame Vorfahr von Trump und Steininger. Dessen Großvater mütterlicherseits, Helmut Fischer, wohnt in der Dürkheimer Silz. „Ich gehe davon aus, dass Johannes von dieser Verbindung bisher gar nichts wusste“, lag Duzfreund Wolf richtig. Steiniger stammt damit ebenfalls vom „Vicekanzler“ Tuschelin ab.

Seit Anfang des Jahres hat Michael Wolf in Unterlagen von Standesämtern, in alten Kirchenbüchern und sonstigen historischen Archiven gewühlt. Den Stammbaum von Donald Trump zu erforschen, „das ergab sich eher zufällig“, erzählt er. Schon vor 25 Jahren hat ihm der jung verstorbene Mannheimer Antiquitätenhändler Christian Freund (Jahrgang 1965), der die Kallstadter Kirchenbücher ausgewertet hat, von Wolfs eigenen Verwandtschaft zu den Familien Trump und Heinz erzählt. Über seinen in Kallstadt geborenen Großvater mütterlicherseits (Bechtloff), aber auch über gemeinsame Dürkheimer Vorfahren seines Vaters finden sich „etwa 5 Prozent von Trumps Ahnen auch in meinem Stammbaum.“ Interessiert habe ihn das damals aber noch nicht so sehr, erzählt er weiter. Bis er Anfang des Jahres dann doch neugierig wurde, „wie viele Anknüpfungspunkte es da eigentlich gibt“.

Schon in der Schule war Wolf fasziniert von der Genealogie, der Familienforschung. In der Grundschule hat er den ersten Stammbaum seiner Familie erstellt, bis zu den Urgroßeltern reichte der zurück. Eine Projektwoche in der Schule hat ihm dann den entscheidenden Impuls gegeben, erzählt Wolf: Eine Lehrerin, selbst Genealogin, hat ihm erste Hilfestellungen gegeben. Mit 14 Jahren hat er zum ersten Mal im Landesarchiv in Speyer nach seiner eigenen Familiengeschichte gestöbert. Bis ins Jahr 1200 ist er mittlerweile vorgedrungen. „Die Frage ist aber, was man den Quellen dann noch glauben kann“, sagt er einschränkend.

Familienforschung „ist unheimlich spannend und macht Spaß“, sagt der Familienvater und Finanzbeamte. „Hat man einen Vorfahr erforscht, ergeben sich zwei neue Fragen“: Denn dann müsse man ja wieder zwei Elternpaare finden. Ihn interessiert vor allem die Wanderungsgeschichte der Ahnen: „Wo kamen sie her und warum?“ Auch die Entwicklung von Familiennamen findet er spannend: „Pfarrer haben ja nur nach Gehör geschrieben.“

Nicht ganz so enthusiastisch klingt Michael Wolf, wenn man ihn nach seiner persönlichen Meinung zu Trump fragt: „Ich habe mir einfach mal die Arbeit gemacht, den Stammbaum zu erstellen. Ohne Wertung.“ Trump sei anzurechnen, dass er das Imperium seiner Familie mit aufgebaut habe. Aber „er ist zu Recht heiß umstritten, eine sehr ambivalente Person“. Vornehm ausgedrückt. /psp|hn

Pfalz-Ticker

No file reference (sys_file_reference) was found for given UID: "909115"Es ist ein Fehler aufgetreten.