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Wirtschaft

Thüga-Energienetze sieht in Digitalisierung große Chance

Von Klaus Hofter

 

Hell und mit je drei Großmonitoren pro Arbeitsplatz präsentiert sich die Singener Leitstelle der Thüga-Energienetze. Hier laufen auch sämtliche Störungsmeldungen aus der Pfalz auf. (Foto: Thüga)

Vor der rund 50.000 Euro teuren Umgestaltung gab es zwölf Bildschirme pro Arbeitsplatz. (Foto: Thüga)

Die Digitalisierung verändert unser Leben. Mit der Serie "Vernetzte Welt" beleuchtet die RHEINPFALZ die Digitalisierung von Arbeits- und Privat-Welt.

Singen/Schifferstadt. Aufwand und Kosten senken sowie effizienter werden: Für die Thüga-Energienetze GmbH mit Hauptsitz in Schifferstadt (Rhein-Pfalz-Kreis) sind das die klar umrissenen Ziele der Digitalisierung. Wobei das Thema für den Netzbetreiber, der etwa 120 Kommunen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern mit Erdgas und Strom beliefert, weder Neuland noch ferne Vision ist.

Schon jetzt seien viele interne Prozesse miteinander verknüpft und würden ständig optimiert, sagt Markus Kittel, der bei der Energienetze GmbH den Bereich Technik und Kommunalmanagement leitet und der für Digitalisierung im Unternehmen verantwortlich zeichnet. Damit funktioniere das an sich „zerrissene“ Netzgebiet der Thüga, das Teile der Pfalz, Singen und die Region Hegau sowie Teile des Allgäus und Oberschwaben umfasst, wie ein zusammenhängendes Gebiet. Egal, an welchem Ort sie beschäftigt sind, haben die Mitarbeiter Zugriff auf alle zentralen Original-Dateien. „Das ist relativ einmalig“, sagt Kittel.

Zu den Projekten, die die Thüga bereits umgesetzt hat, gehören eine Digitale Bauakte sowie ein zentrales Planungs- und Steuerungswerkzeug für alle Investitionen und Instandhaltungsprojekte. Die Software dafür sei im eigenen Haus entwickelt worden, sagt Rainer Gehl, der wie Kittel für die Technik verantwortlich ist und am Thüga-Standort Singen arbeitet. Über das Programm lassen sich tagesaktuell wichtige Informationen etwa zur Auftragslage und Budgetsituation abrufen. Somit könnten Projekte schneller gesteuert und der Zeitaufwand für Berichte minimiert und Technik sowie Controlling effizienter abgestimmt werden.

Hier will die Thüga innerhalb der nächsten zwölf Monate noch einen Schritt weiter gehen. Der Monteur vor Ort soll seine Aufträge direkt aufs Tablet erhalten. Mit Angaben der Adressen, wo gearbeitet werden soll. „Der Meister“, sagt Gehl, „wird künftig zum Disponenten“. Rund 300.000 Euro will Thüga in diese „Auftragssteuerung der zweiten Generation“ investieren, sagt Kittel. Bisher hat das Unternehmen eine mittlere sechsstellige Summe in den Ausbau der Prozesse gesteckt. Im Juni soll ein Energieportal für Kommunen starten – eine digitale Informations- und Serviceplattform, die auch über Archivfunktionen und eine Mediathek verfüge. Kittel sieht in der Digitalisierung eine „sehr große Chance“ und einen langfristigen Prozess. „Die Straße der Digitalisierung hört nie auf“. Die Thüga habe auch den Anspruch, unter den Energieversorgern Marktführer im Bereich Digitalisierung zu sein.

Optimierte Routen bei der Arbeit vor Ort, schnellere und schlankere interne Prozesse sollen Zeit sparen und bei Mitarbeitern Freiräume schaffen. Ziel sei es aber keineswegs, die aktuell mehr als 200 Mitarbeiter starke Belegschaft zu verkleinern. Im Gegenteil: Perspektivisch werde Personal aufgestockt. Die Freiräume, die die Mitarbeiter durch die effizienteren Abläufe erhalten, will das Unternehmen nutzen, um Dienstleistungen für Dritte auf- beziehungsweise auszubauen. Heute gehören dazu etwa Qualitätsprüfungen, Wartungsarbeiten für Heizungsanlagen oder das Errichten, Instandhalten und der Betrieb von Straßenbeleuchtungen. Bereits heute verfügt das Unternehmen über ein eigenes Glasfasernetz und kann auch die Infrastruktur Telekommunikationsanbietern zur Verfügung stellen. Diese Dienstleitungen will die Thüga ausbauen und damit auch den Gewinn erhöhen. Durch gesetzliche Regulierungen sind dem Unternehmen in den vergangene Jahren mehrfach Gewinne weggebrochen.

Teil des künftigen Digital-Geschäfts ist auch die Thüga Smart Service GmbH mit Sitz im oberfränkischen Naila, die zum Jahresbeginn startete und in der die bisherige Energieeffizienz GmbH sowie die Metering Service GmbH, die bisherige Zähler und Fernauslesegesellschaft der Thüga-Gruppe, aufgingen. Zum Portfolio der Smart Service GmbH gehören auch Energiedatenmanagement, IT-Services und Unterstützung beim Ausbau von Breitband-Netzen.

Zusätzlichen Aufwand bringt das Messstellenbetriebsgesetz ab Oktober, mit dem unter anderem der Aufbau eines intelligenten Stromnetzes gefördert werden soll. Die vorgesehene Übertragung der Verbrauchsdaten im 15-Minuten-Takt soll den Verbraucher in die Lage versetzen, den eigenen Stromverbrauch zu senken. Im eigenen Netzgebiet ist die Thüga Energienetze der zuständige Messstellenbetreiber. Allerdings gibt das Gesetz Wettbewerbern die Möglichkeit, auf Thüga-Areal aktiv zu werden. Umgekehrt darf die Thüga sich dann auch auf fremdem Terrain tummeln.