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Samstag, 31. Dezember 2016 Drucken

Kaiserslautern

Jahresrückblick: Kuh Johanna begeistert mit starkem Lebenswillen

Ende einer Odyssee: Anfang August wurde Johanna von Tierfänger Erwin Schablowski betäubt und in einen Hänger zum Gnadenhof Emmelshausen gebrachtet. ( Foto: duernberger)

Wohlauf: Kuh Johanna und ihr Kälbchen Josefinchen auf einem Hof in Fulda. ( Foto: duernberger)

Die Geschichte des Jahres 2016 ist die Geschichte von Kuh Johanna. Das Sommermärchen um das entlaufene Tier nimmt im Winter ein glückliches Ende: Johanna brachte ein Kälbchen zur Welt und lebte sich auf einem Gnadenhof gut ein.

Von wegen Sommerloch: Die Stadt hatte im Juli nur ein Gesprächsthema: die ausgebüxte Kuh Johanna, die sich wochenlang in der Nähe des Einsiedlerhofs herumtrieb. Am Ende des Jahres steht nun fest: „Es ist alles gut. Johanna hat ein Kälbchen zur Welt gebracht, beiden geht es gut“, sagt Doris Rauh, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rüsselheim, der die Kuh vor dem Schlachthaus bewahrte.

Rückblick: Die unglaubliche Geschichte um die Kuh begann, nachdem diese aus einem Schlachtbetrieb in der Pariser Straße entlaufen war und trotz groß angelegter Suche nicht wieder gefunden wurde. Was folgte, war absolut filmreif: Der Tierschutzverein Rüsselheim aus der Nähe von Augsburg hatte ein Herz für die Kuh und wollte sie vor dem Schlachthof bewahren. Die Tierschützer tauften das Rind wegen seines großen Freiheitsdranges auf den Namen Johanna von Kaiserslautern, in Anlehnung an Johanna von Orleans, und setzten eine Fangprämie aus, die Profis und Amateure mobilisierte. Die Polizei machte Hobbysucher ausfindig, die sich auf der Suche nach der Kuh an den Gleisen im Einsiedlerhof herumtrieben, aus Norddeutschland rückte ein professioneller Fänger an, der alsbald unverrichteter Dinge wieder abziehen musste. Ein Profi vor Ort, der Tierfänger Erwin Schablowski aus Erlenbach, lag derweil im Clinch mit der Stadt, ob er sein Narkosegewehr benutzen dürfe, schritt dann letztendlich aber zur Tat. Als die Kuh nachts auf dem Opelgelände gesichtet wurde, narkotisierte Schablowski das Tier, verfrachtete es in einen Hänger und fuhr es auf den Gnadenhof Emmelshausen im Hunsrück.

Doch damit nicht genug. Das Rindvieh schaffte es auch bis in die Kommunalpolitik. Die CDU nahm Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt aufs Korn, sprach davon, dass das vierwöchige Herumstreifen der Kuh eine erhebliche Gefahr für die Öffentlichkeit dargestellt habe und wollte wissen, ob das offensichtliche Versagen Konsequenzen nach sich ziehe.

Kuh Johanna war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in Emmelshausen. Wie Doris Rauh erklärt, war sie so aggressiv, dass der Landwirt es nicht gewagt habe, sie auf die Weide zu schicken. Deshalb sei Johanna auf einen anderen Hof nach Fulda gebracht worden, wo sie auf einer gut gesicherten Weide stehe und sich an Menschen gewöhnen solle.

Das ist nach den Worten von Rauh auch gelungen. Als Johanna nach Fulda gebracht wurde, sei sie schon trächtig gewesen, anschließend habe sie ein Kälbchen zur Welt gebracht. Es hört auf den Namen Josefinchen. Das Kälbchen sehe aus wie die Mutter, beide seien in einer Herde mit alten Tieren und anderen Kühen mit Kälbchen. Johanna sei inzwischen so zahm, dass sie Futter aus der Hand fresse. „Johanna wird sicher keine Schmusekuh, aber sie ist gut zu halten“, betont Doris Rauh.

Im Rückblick lässt sich somit wohl sagen, dass die Kuh nicht nur ihrem Kälbchen, sondern auch das Kälbchen der Mutter das Leben gerettet hat. Die Aggressivität von Johanna und ihr Entlaufen aus dem Schlachtbetrieb lasse sich dadurch erklären, dass sie hochträchtig war, ihr Kälbchen schützen wollte, meint Doris Rauh, die sich darüber freut, dass ihr Verein letztendlich zwei Leben gerettet hat: das von Johanna und das von Josefinchen.

So sehr sich der Verein freut, zwei Leben gerettet zu haben, so sehr erzürnt es Doris Rauh, dass es gesetzlich immer noch nicht verboten ist, eine trächtige Kuh zu schlachten. Aus moralischen Gründen dürfe man das nicht machen, dabei ersticke das Kalb qualvoll. Dennoch gebe es immer wieder Veterinäre, die das genehmigen – und die den Verein Rüsselheim auf den Plan rufen. Gerade habe ihr Verein neun tragende Kühe vor dem Schlachter gerettet, erläutert Doris Rauh.

Einige von den geretteten Tieren werden bald die Bekanntschaft von Johanna machen: auf dem Hof bei Fulda, wo sie gemeinsam ihr Gnadenbrot genießen.

 

info

Wer an den Verein Rüsselheim spenden will, hier die Bankverbindung: IBAN: DE95 720501010030207864 BIC: BYLADEM1AUG , Kreissparkasse Augsburg.|dür