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Montag, 14. November 2016 Drucken

Sport

FCK sucht Investoren und einen Ausweg aus der Sackgasse

Hintergrund: Diskussion um Anleihe-Zinsen

Lobte Kompetenz und Charakter der Vorstände Michael Klatt und Thomas Gries (von links): FCK-Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampff (rechts). ( Foto: KUNZ)

Kaiserslautern. „Der Patient lebt!“ Den Satz ruft Finanzvorstand Michael Klatt bei der Jahreshauptversammlung des 1. FC Kaiserslautern am Samstag aus, die er trotz chronisch knapper Kasse nicht als Beerdigung verstanden wissen will. Der Nachfolger des mit Nicht-Entlastung abgestraften Fritz Grünewalt erntet viel Lob der Mitglieder für Transparenz und klare Worte beim vorgelegten Zahlenwerk (RHEINPFALZ am SONNTAG berichtete).

 

Klatt bezweifelt, dass der FCK in der Zweiten Liga langfristig saniert werden kann. Am Ende des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres 2015/16 stand ein Verlust von 2,6 Millionen Euro. Die Zuschauereinnahmen in der letzten, mit Platz zehn abgeschlossenen Saison brachen ein, waren so schlecht wie seit 25 Jahren nicht. Das negative Eigenkapital bezifferte Klatt auf 3,5 Millionen Euro per 30. Juni 2016. Es hätte freundlicher ausgesehen, wäre der Transfer von Marius Müller (1,7 Millionen Euro) per 14. Juni 2016 nicht diskutablerweise bilanziell in 2016/17 übertragen worden. Der Transfer von Jón Dadi Bödvarsson (drei Millionen Euro) ist erst für 2016/17 verbucht: Wechsel am 2. August, klarer Fall. Beide Millionenbeträge aber lassen die Ist-Situation im Herbst 2016 freundlicher aussehen als im Frühjahr und im Frühsommer.

Obwohl der Zuschauerzuspruch und VIP-Kartenabsatz zuletzt auch nicht gerade berauschend waren; 14.200 Dauerkarten sind 2016/17 bisher nur verkauft – auch hier ist ein deutlicher Abwärtstrend feststellbar, der weitere Löcher in die Kassen reißt.

„So weiterwurschteln geht nicht“, sagte Klatt ultimativ, der den Verein im März und April „in einem tiefen Tal“ sah. Er will sich möglichst von der sehr stark auf Transfergewinne bauenden Kuntz-Strategie verabschieden. Aus Klatt spricht der Kaufmann mit hanseatischen Grundprinzipien.

Fünf Jahre hintereinander habe der FCK seine Ziele – sportlich und damit vor allem auch wirtschaftlich – verfehlt, da sei Sparen Pflicht. Der Verein könne sich keine Geschäftsstelle wie in der Ersten Liga mehr leisten, habe sich deshalb von zehn Mitarbeitern getrennt, was auch zu Qualitätsverlusten im Kundenservice führen könne. „Der FCK ist kein Erstligaverein mehr, der gerade mal Urlaub in der Zweiten Liga macht“, sagte Klatt und rief dazu auf, sich den Realitäten anzupassen.

Dass der Zweitliga-Kader mit drei Millionen Euro Fremdkapital zu knapp acht Prozent Zinsen durch eine Quattrex-Tochter nachgerüstet worden sei, begründete Klatt mit der Furcht, in der TV-Tabelle weiter abzurutschen. „Wir wären sonst nicht konkurrenzfähig gewesen“, sagte Sportdirektor Uwe Stöver. Tabellenplatz neun sei das Mindestziel nach holprigem Start.

Nikolai Riesenkampff, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, erntete viel Anerkennung für seine souveräne Versammlungsleitung. Er erinnerte an die Herkulesaufgabe, in kurzer Zeit eine komplett neue Führung suchen zu müssen. Bei der Verpflichtung der Vorstände Thomas Gries und Michael Klatt und dem Ja zu Sportdirektor Uwe Stöver sei vorrangig gewesen, Mitarbeiter mit „Kompetenz und Charakter“ zu gewinnen.

Riesenkampff, wie Vorstandschef Gries bestrebt, „Gräben zuzuschütten“, die Mitglieder zu versöhnen, räumt ein, dass „die Unzufriedenheit noch nicht gewichen ist“. Er verstehe, dass viele die Vergangenheit aufgearbeitet wissen wollen. „Wir müssen nach vorne schauen“, mahnte Riesenkampff aber. Die Frage, ob Pflichtverletzungen der Ex-Vorstände Stefan Kuntz und Grünewalt vorliegen, werde untersucht, juristische Schritte würden gegebenenfalls eingeleitet.

„Das Thema Insolvenz war kein Thema“, versicherte Riesenkampff beim Blick zurück auf die Liquiditätsprobleme im März und April dieses Jahres. Die Gretchenfrage stellte Thomas Gries, der Vorstandsvorsitzende: „Wie kriege ich Tradition und Kommerz unter einen Hut?“

„Wir müssen Strukturen schaffen, um uns für einen starken Partner öffnen zu können“, sagte Gries, dem wichtig war, die Mitglieder auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. „Nur zusammen sind wir Lautern. Das ist der einzige Weg aus der Krise!“ Nicht als Marketingspruch, sondern als Lösungsformel will Gries dies verstanden wissen. „Geld schießt Tore“, meinte er auf der Suche nach „Handlungsoptionen“, die die wirtschaftliche Basis schaffen sollen, um den Aufstieg zu schaffen.

Die Suche nach einem Investor soll baldmöglichst beginnen. Die mit großer Mehrheit gebilligte neue Satzung erlaubt auch eine Ausgliederung der Profisparte – wenn drei Viertel der Mitglieder zustimmen.

Ein FCK-Mitglied wollte wissen, ob es stimme, dass eine Grünewalt verbundene Werbeagentur Provisionen für nicht eingelöste Zinsscheine aus der Betze-Fan-Anleihe erhält. Grünewalt sagte gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage: „Klares Dementi. Zum einen hat die Agentur mit mir nichts zu tun und ist auch schon seit 1996 für den FCK tätig. Zum anderen gibt es keine verpflichtende Vereinbarung, die regelt, dass, wenn ein Anleihezeichner auf seine Zinsen verzichtet, dafür die Agentur eine Provision erhält.“

Finanzchef Klatt sagte gestern: „Ich habe hierzu keinen Vertrag finden können, aber ein Memo, das mir Herr Grünewalt hinterlassen hat. Die Gültigkeit einer Nebenabrede in diese Richtung prüfen wir im Moment. Zunächst aber haben wir dem vorsorglich einen Riegel vorgeschoben. Tatsache ist, dass 2015/16 nicht eingelöste Zinsscheine in Höhe von gut 30.000 Euro dem FCK in voller Höhe zugutegekommen sind und in der Bilanz per 30. Juni auch schon als Ertrag verbucht wurden.“  |zkk/osp