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Sport

FCK auf Brautschau

„Wir sind hart, sehr hart am Wind gesegelt“, sagte FCK-Finanzvorstand Michael Klatt (rechts). ( Foto: Kunz)

Die Nicht-Entlastung bei der Mitgliederversammlung des 1. FC Kaiserslautern ist ein Denkzettel für die Ex-Vorstände Kuntz und Grünewalt. Der neue Vorstand ist auf der Suche nach einem Partner, der den FCK wirtschaftlich stärken soll, um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga zu schaffen. Ein Ja der Mitglieder zum Einstieg eines solchen Geldgebers ist nicht unwahrscheinlich. Von Oliver Sperk und Horst Konzok

Diskussionen über die vergangenen Geschäftsjahre, die die Nichtentlastung der ehemaligen Vorstände Fritz Grünewalt und Stefan Kuntz zur Folge hatten, waren die emotionalen Höhepunkte der sechseinhalbstündigen Jahreshauptversammlung des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern gestern auf dem Betzenberg.

Gegen Kuntz’ Entlastung stimmten 71,7 Prozent der knapp 1000 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. Gegen Grünewalts Entlastung stimmten 93,3 Prozent. Unmittelbare Folgen hat die zunächst symbolische Nicht-Entlastung nicht. Sie ist aber für mögliche künftige Fragen der persönlichen Haftung der Bosse relevant.

Die aktuellen Vorstände Thomas Gries mit 97,7 Prozent und Michael Klatt mit 97 Prozent sind dagegen klar entlastet worden, ebenso wie der ehemalige kommissarische Sportvorstand und Nun-wieder-Aufsichtsrat Mathias Abel (85,9 Prozent).

Dieter Rombach, der schon vor einem Jahr für die Saison 2014/15 nicht entlastete und daraufhin bereits aus dem Gremium zurückgetretene Ex-Aufsichtsratschef, ist auch für die Spielzeit 2015/16 bei der Jahreshauptversammlung gestern nicht entlastet worden. 73,3 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder votierten gegen Rombachs Entlastung. Die übrigen Aufsichtsratsmitglieder Nikolai Riesenkampff, Abel, Ottmar Frenger, Gerhard Theis und Jürgen Kind wurden entlastet.

Die Lage bleibt schwierig beim 18.662 Mitglieder zählenden FCK. „Ich bezweifle sehr, dass eine Restrukturierung des FCK in der Zweiten Liga langfristig gelingen kann“, sagte Michael Klatt, der Finanzvorstand des Vereins. Klatt und der Vorstandsvorsitzende Thomas Gries wollen zusammen mit dem Aufsichtsrat neue Wege gehen (wir berichteten). Externes Kapital in Millionenhöhe soll her, zum Beispiel von einem Großinvestor, der die sportliche und wirtschaftliche Zukunft des FCK langfristig sichern soll.

Eine Ausgliederung der Lizenzmannschaft in eine Tochtergesellschaft in Form einer Kapitalgesellschaft, die möglicherweise mit dem Engagement eines Investors einhergehen könnte, bedarf der Dreiviertel-Mehrheit bei der Mitgliederversammlung. Das sieht die gestern verabschiedete neue Vereinssatzung vor, die Weichen sind gestellt. „Wir müssen uns für strategische Partner öffnen, ohne die Kontrolle zu verlieren“, sagte Vorstandschef Thomas Gries, „genau diese Kontrollmöglichkeit mithilfe von Aufsichtsratsmandaten haben wir mit der neuen Satzung beschlossen.“ Für den Redebeitrag eines Mitglieds „Wir sollten einer Ausgliederung zustimmen, wenn sie uns der Bundesliga näherbringt“ gab es einigen Applaus aus dem Plenum. „Wir sind überzeugt, wir müssen schauen, dass es Partner gibt, die den FCK genauso geil finden wie wir und die Geld investieren wollen“, sagte Aufsichtsratschef Riesenkampff, der wie Gries und Klatt sehr souverän agierte.

Die Saison 2015/16 hat der FCK mit einem Verlust von 2,638 Millionen Euro abgeschlossen bei rückläufigem Umsatz, der 38,3 Millionen Euro betrug nach 42,6 Millionen Euro in der Saison 2014/15 (wir berichteten bereits). Das negative Eigenkapital hat sich dadurch per 30. Juni 2016 auf 3,502 Millionen Euro erhöht. Allerdings sind in diesen Beträgen die Transfererlöse aus den Vereinswechseln von Jón Dadi Bödvarsson (für drei Millionen Euro nach Wolverhampton) und Marius Müller (für 1,7 Millionen Euro zu RB Leipzig) nicht enthalten. Sportdirektor Uwe Stöver resümierte: „Wir haben in der Sommertransferperiode 2016 sechs Millionen Euro Transferüberschuss erwirtschaften können.“

Allerdings betonte Klatt, eine solche Größenordnung könne man in der Zweiten Liga keinesfalls für jede Saison voraussetzen. Die größte finanzielle Belastung in der Zweiten Liga, in der deutlich weniger Fernsehgelder fließen als in der Bundesliga, ist das Stadion mit Spielbetriebskosten, Pacht und Unterhalt von neun bis zehn Millionen Euro jährlich. Riesenkampff sagte, man könne sich vorstellen, dass ein noch zu findender Investor sich auch für das Stadion und die dazugehörige Randfläche, möglicherweise potenzielle Wohnungsbauflächen, interessiere. Die Versammlung, aus der die neue Vereinsführung mit hohen Zustimmungswerten gestärkt hervorgeht, hat die Unwägbarkeiten aufgezeigt, die die Zukunft beeinflussen können: Wie entscheidet das Landgericht Kaiserslautern über eine Klage eines Zeichners der FCK-Fan-Anleihe auf Rückzahlung von 100.000 Euro an Anteilen wegen Zweckentfremdung? Wie läuft die Sponsoren- und Investorensuche? Und vor allem: Wohin führt sportlich der Weg des derzeitigen Zweitligazwölften?